Der Nazi-Gold-Zug Teil II

Wer wissen will wie alles anfing und warum ich mit meinem Zahnarzt per du bin, klickt hier.

Das Telefon klingelt. „Max! Uwe hier. Kommst am Herrentag für vier Tage mit nach Polen? Christel Focken die da seit 20 Jahren den Goldzug sucht macht da ne Führung und wir können da mit.“ Na klar Uwe!

Am Donnerstag den 5.5. gings dann los, diesmal allerdings zu dritt. Uwe – mein Zahnarzt, ich und ganz neu im Boot Christian – ein sehr guter Freund von mir aus Berlin.  So um 10 ging es in Marzahn los und um halb 3 sind wir in Walim angekommen, allerdings war niemand außer uns dort. Haben uns dann erstmal was zu essen bestellt, diesmal eine Rote Beete Suppe und Pierogi. Die Rote Beete Suppe war der Hammer. Richtig herzhaft, warm und lecker nach Rote Beete schmeckend. Als wir aufgegessen hatten sind wir erstmal durch das Dorf zum Einkaufsladen gegangen und haben uns etwas Obst, Saft und Erdnüsse gekauft. Auf dem Weg zurück haben wir dann noch einen kleinen Laden entdeckt und ein paar Ruinen von abgebrannten Häusern. Zurück Im Hotel haben wir nachgefragt wo denn Christel ist und haben erfahren, dass sie bereits auf Tour ist. So gegen 17 Uhr kam sie dann auch an, zusammen mit 8 anderen. Wir hätten bereits um 10 Uhr morgens da sein sollen hat sie uns dann gesagt allerdings wussten wir das nicht – ja mei. Unsere Gruppe bestand mit uns also aus 11 Leuten und war recht bunt gemischt allerdings eher älter. Da waren Christian und ich, beide 21 und noch Laura die war 17 und ansonsten waren alle  30+, größtenteils 50+. Und es war wirklich schön mit diesen ganzen Menschen zusammen.

Wir wurden dann abends gleich mal gebrieft und uns wurde erzählt worum es dieses Wochenende geht. Wir waren nämlich garnicht hinter dem Goldzug her sondern hinter der Erkundung der Bunkeranlagen des Projekts „Riese“, welche als gigantische Führerschutzbunker gedacht waren. Wer mehr dazu wissen möchte einfach mal „Projekt Riese“ im Internet suchen und sich schlau machen, gibt ne Menge Ressourcen dazu.

Am nächsten morgen um 8.30 Uhr wurde dann gefrühstückt – ne Menge Eier und Käse – und dann gings los zum ersten Bunker. Ich weiß leider den Namen nichtmehr, allerdings mussten wir Eintritt bezahlen. Was wir drei nicht wussten war, dass man in Polen fast ausschließlich nur mit Złoty bezahlen kann, also mussten wir bei einem von unseren Kollegen erst mal Geld tauschen. Wir haben uns dann also die erste Anlage angeguckt und es war schon beeindruckend zu sehen welche Ausmaße das ganze teilweise hatte. Hier mal ein paar Fotos die das Ganze hoffentlich etwas anschaulicher machen. Es sollen im ganzen Projekt Riese gleichzeitig um die 40.000 Zwangsarbeiter gearbeitet haben und diese haben an vielen Punkten gleichzeitig gebaut, deswegen konnte Projekt Riese so enorm schnell ausgebaut werden. Unsere Tourführerin hat uns erzählt, dass die Tunnel mit einer Geschwindigkeit von 2m pro Stunde vorangetrieben worden sind, das sind ca. 50m am Tag und bedeutet also, dass ein Tunnel der Länge 1,5km in einem Monat fertig „gegraben“ wurde. (Die Anführungszeichen deshalb, weil gesprengt und nicht gegraben wurde.) Wir haben uns dann noch eine Höhle an einem anderen Standort angeschaut. Es gibt nämlich auf dem ganzen Eulengebirge ca. 10 verschiedene Bunkeranlagen die alle zum Projekt Riese gehören und höchstwahrscheinlich miteinander verbunden werden sollten.

Abends gab es dann wieder ein Briefing, allerdings konnte ich nichtmehr still sitzen und zuhören und so hab ich gesagt, dass ich losgehe und Geld organisiere und einkaufe. Christel hat dann gesagt, dass ich hier in dem Dorf kein Glück haben werde und wir zum nächsten Dorf fahren müssen, denn da gibt es eine Bank. Sie spürt meinen Enthusiasmus aber ich werde hier wirklich keinen Erfolg haben. Zuerst war ich demotiviert und hab mich wieder versucht zu konzentrieren, als dies allerdings nicht geklappt hat, bin ich aufgestanden und losgelaufen. Kurz bevor der Laden bei dem ich es probieren wollte erreicht war, sah ich zwei Jungs auf Fahrrädern wovon der eine einen langen Wheelie gemacht hab. Also hab ich auf polnisch gesagt: „Gut“, und somit dachten die Jungs ich rede polnisch haha :D. Sie haben mir dann die ganze Zeit auf polnisch versucht irgendetwas zu erklären und ich hab immer auf polnisch geantwortet: „Ich verstehe nicht“. Irgendwann hab ich dann meine Karten rausgeholt und ihnen nen Zaubertrick gezeigt, der aufgrund der Sprachbarriere leider nicht ganz so toll geklappt hat. Jedenfalls haben sich währenddessen immer mehr Leute um uns geschart und ich war aufeinmal von 10 polnischen Jugendlichen umgeben. Zwei von Ihnen waren in meinem Alter und sprachen zum Glück englisch, was es mir möglich machte ihnen meine Lage zu erklären. Sie haben gesagt ich soll es in dem Laden probieren und als ich gefragt hab ob sie mitkommen zum übersetzen haben sie ja gesagt. Schlussendlich war ich um 2 Säfte, 3 Packungen Erdnüsse und 400 Złoty reicher. Ich hab der Kassiererin dann noch ein Trinkgeld gegeben und habe mich Dank sagend verabschiedet.

Schnaufend im Hotel angekommen, denn ich bin gerannt, hab ich erzählt dass ich zu Geld gekommen bin und es wurde erst mal darüber gewitzelt ob ich eine alte Oma ausgeraubt hab – da ich ja so schnaufe :D. Christel hat dann noch gesagt: „Gut gemacht, freut mich.“ Die nächste Frage war dann: „Max, trinkst du n Schnaps mit?“ Und irgendwie ist eine Lust in mir aufgestiegen und ich hab einen getrunken und dann den zweiten und den dritten. Es war selbstgebrauter Kirschgeist von jemandem aus dem Hotel. Wir sind dann mit ihm zusammen in seinen Keller gegangen und haben da getrunken, mein Zahnarzt, Christian und ich und noch zwei Männer die mit auf dem Ausflug waren.  In dem Keller haben wir dann auch noch sehr viel Spaß mit dem alten Mann gehabt der den Schnaps braut, einige Schnäpse getrunken und die Antiquitäten bestaunt die er in seinem Keller hat. Damit ihr mal n Bild vor Augen habt, der Keller war ca 2x3m groß und in der Mitte stand ein Tisch mit einer Bank und 3 Stühlen. Da haben wir dann gesessen und getrunken. Irgendwann gegen Null Uhr sind wir dann ins Bett gegangen und ich dachte schon völlig aufgelöst ich hab mein Rucksack verloren. Am nächsten Morgen, nachdem ich allen Menschen bereits erzählt hab, dass der Rucksack weg ist (:D), bin ich dann doch nochmal in den Keller, hab nachgeguckt und da stand er ^^, anscheinend hab ich ihn Abends also doch noch mitgenommen.

Nach dem Gemeinsamen Frühstück ging es dann zum ersten Stollen, nahe bei Walim. Der war auch ganz interessant, allerdings nicht das Highlight des Tages, das haben wir danach angefahren undzwar war das der Wolfsberg. Ein gigantischer Stollen, so groß, dass wir einen Teil sogar mit einem Boot befahren konnten. Es waren auch noch alte Bahngleise vorhanden auf denen die Loren geschoben wurden und auch die Natur hat keinen Halt vor der Anlage gemacht, teilweise sieht man an dem Holz riesige Schimmelherde. Es ist wirklich Projekt Riese was wir da sehen. Hierzu gibt es auch noch ein paar schöne Bilder.

Danach sind wir essen gegangen und zu guter Letzt noch in einen kleinen Stollen den wir nur mit Wathose betreten sollten, da er so schlammig war. In so einer Wathose fühlt man sich schon echt unverwundbar, weder Dreck noch Wasser kommen an einen heran, das ist wirklich eine super Erfindung. An sich war der Stollen aber nicht so interessant. Und das war es dann auch schon mit allen Stollenbegehungen und Briefings.

Eine Letzte gemeinsame Tat haben wir noch begangen undzwar war das die Begehung der Festung Silberberg, auf die wir uns am meisten gefreut haben da wir mit einer AK-47 schießen durften. Wir sind dann mit einem, als Lok mit Anhänger angemaltem, Traktor zur Burg hochgefahren und haben unsere Eintrittskarten gekauft. Dann ging es als erstes gleich zum Schießstand. Wir wurden von unserer Tourguides eingewiesen, denn sie darf in Deutschland auch Waffenausbildungen machen und kennt sich daher aus, haben Kopfhörer aufgesetzt und dann ging es los. Für 10€ gab es 10 Schuss mit der Kalashnikov. Christian hat zuerst geschossen und als der erste Schuss fiel hab ich mich erstmal darüber erschreckt wie laut das ist. Als ich dann dran war hab ich gemerkt wieso Schießen ein Sport ist. Es war für mich körperlich wie auch geistig anstrengend. Der Rückschlag war nicht stark, allerdings muss man seinen Körper trotzdem anspannen damit die Waffe auch ruhig in der Hand liegt. Zudem muss man noch zielen. Für meinen Kopf war es anstrengend aus dem Grund, dass es laut war und weil mir bewusst wurde, dass ich da wirklich eine Tötungsmaschine in der Hand halte. Also es ist nichts für schwache Nerven. Mein erster Schuss ging dann gleich mal in die zehn, die anderen etwas weniger denn das zielen ist mir dann etwas schwerer gefallen. Alles in allem muss ich sagen, dass ich das so bald nicht wieder brauche. Hier mal ein Bild meiner Zielscheibe.

Nach dem Schießen sind wir uns dann noch das Schloss angucken gegangen, auch wieder ein richtiges Monument. Ich bin immer wieder erstaunt darüber was früher für Bauwerke gebaut wurden die heute teilweise nichtmal errichtet werden könnten. Gebaut wurde das Schloss inklusive langem Vorschloss von Friedrich dem Großen zur Abwehr der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. Es ist schon wirklich ein Bollwerk was da auf dem Berg steht, jedem der Mal in der Nähe von Srebna Gura ist kann ich nur empfehlen dort mal hochzufahren. Vorallem auch weil unten am Berg wieder angekommen ein Häuschen wartet in dem es wunderbar leckere Waffeln mit Belag nach Wahl gibt und das ganze für umgerechnet 1,50€. Nach dieser leckeren Waffel und noch ein paar Witzen und Geschichten ging es dann heimwärts.

Abends sind wir dann noch alle zusammen auf dem Parkplatz hinterm Haus gesessen, was ein wirklich schönes Bild war, denn jeder hat sich Stühle geholt und wir haben uns nur da hinten hingesessen damit wir noch die Restsonne genießen können. Toll zu sehen wie alle mitgezogen haben. Der Abend ist dann bei einem gemeinsam Essen ausgeklungen und wir sind schlafen gegangen.

Sonntag war dann der letzte Tag unseres Ausflugs und hat nach einem ausgiebigen Frühstück noch mit Abschiedsfotos und Umarmungen geendet. Der Rest der Gruppe ist dann noch weiter nach Waldenburg gefahren und hat sich den Führerschutztunnel angeschaut aber wir drei sind nach Hause Richtung Berlin gefahren. Zum Schluss noch ein paar Bilder von dem Ausflug. Wer mehr wissen will oder Anregungen hat einfach schreiben.

Bis dann.

Euer Max Müller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.